Was ist IHHT?

Innovative Ansätze der normobaren Hypoxie mit variierenden Sauerstoffgehalten

IHHT für Patienten in Ruhe

 IHHT für Sportler unter Belastung


1. Höhenmedizin


Die Höhenmedizin gehört zu den Fachgebieten Sportmedizin und Arbeitsmedizin, die sich mit den Auswirkungen der Höhe auf den menschlichen Körper und der Anpassung an große Höhen beschäftigen. Dieser medizinische Bereich untersucht die physiologischen Veränderungen, die bei dortigen Aufenthalten auftreten können, wie z.B. die Akklimatisation, Höhenkrankheit und die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf- und Atemsystem.



2. Was ist IHHT?


Intermittierende hypoxisch‑hyperoxische Therapie (IHHT) ist eine
kontrollierte, zeitlich begrenzte Hypoxieanwendung, bei der kurze Hypoxiephasen (FiO₂ 17–10 %) mit Reoxygenierung abgewechseln.


2a. Sauerstoffphysiologie & Sicherheit

  • FiO₂ ≠ Gewebe‑O₂.
  • Bei den in unserer Praxis verwendeten IHHT‑Protokollen (SpO₂ ≥ 80 %) bewegt sich der Sauerstoffgehalt im Gewebe überwiegend im physiologischen Bereich (sogenannte Physoxie, ca. 5–2 %). In den niedrigsten Phasen werden kurzfristig Werte von etwa 2 bis 1,5 % erreicht, entsprechend einem Übergangs‑ bzw. funktionellen Hypoxiebereich. Eine ausgeprägte, diffusionslimitierte Hypoxie mit Gewebe‑Sauerstoffwerten ≤ 1 % wird dabei bewusst nicht erreicht.
  • Die therapeutische Wirkung beruht primär auf hypoxischen Signal‑ und Adaptationsmechanismen, nicht auf einer O₂‑Mangelversorgung des Gewebes.


2b. Zelluläre Effekte

  • Autophagie und Mitophagie werden bei funktioneller Hypoxie aktiviert.
  • Mechanismus:
  • pulsatile HIF‑1α‑Aktivierung
  • AMPK‑Pulse → mTOR‑Hemmung
  • kurze ROS‑Signale bei Reoxygenierung (hormetisch, nicht toxisch)
  • Ziel: mitochondriale Qualitätskontrolle, nicht Energiekrise.


2c. Keine Apoptose‑ oder Nekroserisiken

  • Hypoxie‑induzierte Apoptose erfordert:
  • Gewebe‑O₂ < 1 %
  • ≥ 30–120 min Dauerhypoxie
  • relevanten ATP‑Abfall
  • IHHT erfüllt keine dieser Bedingungen.
  • Keine BAX/BAK‑Aktivierung, kein mitochondrialer Kollaps.


2d. ROS‑Einordnung

  • Unter IHHT keine systemische oxidative Belastung.
  • ROS wirken kurz, lokal und signalvermittelnd (Hormesis).
  • Abzugrenzen von Dauerhypoxie, Ischämie oder OSAS‑ähnlichen Mustern.


2e. Abgrenzung zu pathologischer Hypoxie

  • Tumorhypoxie / OSAS:
  • sehr niedrige Gewebe‑O₂‑Werte
  • chaotische Reoxygenierung
  • Dauerstress, Selektionsdruck
  • IHHT: kontrollierter Reiz, klinische Sicherheit, adaptive Antwort.


2f. Klinische Sicherheit

  • SpO₂‑Zielbereich: 90–80 %
  • Automatischer Abbruch: < 80 %
  • Individuelle Dosierung, Pausentage, Symptom‑Monitoring
  • Modifikation bei Post‑COVID / ME‑CFS → niedrig dosiert, kurze Intervalle.


Fazit

IHHT stellt eine physiologisch sichere Form der kontrollierten Hypoxie dar. Durch kurze Hypoxie‑Reoxygenierungszyklen werden adaptive mitochondriale Prozesse, insbesondere die Mitophagie, induziert, ohne pathologische Gewebehypoxie, ohne erhöhtes Apoptoserisiko und ohne Übertragbarkeit tumorbiologischer Hypoxiemechanismen. IHHT aktiviert kein „klassisches Hypoxie‑Programm“, sondern ein intermittierendes Adaptations‑Programm, bei dem HIF ein Baustein unter mehreren ist.


IHHT ist kein „Höhenersatz“, sondern ein Adaptations‑Trigger, der Gene der mitochondrialen Resilienz, metabolischen Flexibilität und der Neuroprotektion aktiviert – nicht der Sauerstofftransport‑Maximierung.



3. Monitoring


Die IHHT ist ein modernes und grundsätzlich sicheres Therapie- und Trainingsverfahren. Ihre fachgerechte Anwendung erfordert jedoch ein tiefgehendes Verständnis der physiologischen Abläufe sowie der zugrunde liegenden biochemischen und redoxbiologischen Prozesse.

Gerade bei chronischen Erkrankungen beeinflusst die IHHT gezielt zentrale Regulationsmechanismen des Organismus. Da es derzeit noch keine offiziellen Leitlinien für diese Therapie gibt, ist eine individuelle Anpassung und Durchführung durch erfahrene Therapeuten besonders wichtig.


Auf der Seite 'Diagnosen' finden Sie chronische Erkrankungen, die nach meiner Erfahrung von den Wirkungen der IHHT profitieren und symptomatisch behandelt werden können.

Weitere Informationen, insbesondere unter Berücksichtigung Ihres Krankheitsverlaufs, werden in der Praxis im Rahmen der Anamnese und durch ergänzende Untersuchungen bereitgestellt.



4. IHHT im Sport


Das Ergometer gestützte Intermittierende Hypoxie-Hyperoxie-Training vereint zwei Arten von Hypoxie: die hypoxische Hypoxie, die durch sauerstoffarme Luft erzeugt wird, und die funktionelle Hypoxie, die in der arbeitenden Muskulatur entsteht. Diese Methode kann je nach Präferenz in meiner Praxis auf verschiedenen Trainingsgeräten durchgeführt werden, wie beispielsweise auf dem Laufband, dem Fahrradergometer, dem Crosstrainer oder am Oberkörperergometer.

Die wesentlichen Anpassungen betreffen primär die arbeitende Skelettmuskulatur. Die Effekte der IHHT auf die autonome Regulation, die Kapillardynamik sowie die mitochondriale Funktion werden durch die Kombination mit Bewegung intensiviert. Während die IHHT in Ruhe besonders für ältere, weniger aktive Personen und Menschen mit chronischen Erkrankungen geeignet ist, bietet sich die Kombination aus IHHT und Ergometrie auch für junge, trainierte Individuen an.



5. Eigene Erfahrung und Praxisausstattung


Nach der Wende absolvierte ich eine sechsjährige Ausbildung in Sportmedizin bei Prof. Dr. med. habil. Hermann Buhl, einem Facharzt für Sportmedizin aus Dresden. Als Forschungsdirektor des Instituts für Körperkultur und Sport in Leipzig und leitender Arzt der hypobaren Hypoxiekammer am Sportleistungszentrum der DDR in Kienbaum galt Buhl zu dieser Zeit als internationaler Hypoxie-Experte. Ab 2001 betreuten wir Patienten und Sportler unter normobaren Bedingungen in einer Hypoxiekammer. Die komplexe Verflechtung von Sportmedizin und Hypoxie erforderte schon damals den begleitenden Einsatz der Leistungsdiagnostik zur präzisen Therapie- und Trainingsgestaltung. Dieses Prinzip wird bis heute in meiner Praxis fortgeführt.